Pressemitteilung der Gemeinde Bischofsheim
In der vergangenen Woche sorgte eine Schlangensichtung in Bischofsheim für einen besonderen Einsatz von Polizei und Feuerwehr. Nachdem Bewohner eine Schlange entdeckt hatten, alarmierten sie die Einsatzkräfte. Der verständigte Reptilienexperte Johannes Köhler vom Frankfurter Zoo gab jedoch schnell Entwarnung: Bei dem Tier handelte es sich um eine Äskulapnatter (Zamenis longissimus), eine einheimische und vollkommen ungiftige Schlangenart, die für den Menschen ungefährlich ist.
„Die Sichtung eines so schönen Exemplars ist vielmehr ein seltener Glücksfall für Naturfreunde und kein Grund für Aufregung oder Angst“, erklärt Köhler. Zwar löse der Anblick einer Schlange verständlicherweise zunächst Unsicherheit aus, da die scheuen Tiere nur selten zu sehen seien. Umso bemerkenswerter sei die Begegnung mit einer Äskulapnatter.
Tatsächlich zählt die Äskulapnatter laut NABU zu den seltensten Schlangenarten Deutschlands. Ihre natürlichen Vorkommen beschränken sich auf wenige, voneinander getrennte Gebiete. Dazu gehören der südlichste Zipfel Hessens rund um Hirschhorn am Neckar, der südliche Rheingau mit dem Gebiet um Schlangenbad im Taunus sowie die Donauhänge bei Passau. Ein dokumentierter Nachweis von Äskulapnattern in Bischofsheim existiert zwar bisher nicht, allerdings scheint sich die Art in Deutschland zunehmend auszubreiten, vermutlich begünstigt durch den Klimawandel. In den letzten Jahren gab es schon einige Sichtungen z.B. auch auf Frankfurter Stadtgebiet. Ob das Tier aus einem der bekannten Vorkommensgebiete stammt oder sich auf anderem Wege dort angesiedelt hat, lässt sich allein aus der Sichtung allerdings nicht ableiten.
Die Äskulapnatter ist die längste einheimische Schlangenart Deutschlands. Ausgewachsene Tiere erreichen in der Regel eine Länge von 1,40 bis 1,60 Metern, in seltenen Fällen sogar bis zu zwei Metern. Ihre Färbung reicht von Gelbbraun über Olivgrün bis Dunkelbraun. Charakteristisch sind die glatten, glänzenden Schuppen. Neben ihrer stattlichen Erscheinung zeichnet sich die Schlange durch ihr ausgeprägtes Klettergeschick aus und kann sogar an Bäumen emporklettern.
Die Äskulapnatter bevorzugt warme Lebensräume und nutzt unterschiedliche Verstecke, darunter hohle Baumstümpfe, geschützte Hohlräume und frostfreie Plätze. Solche Rückzugsorte können sich auch in der Nähe menschlicher Siedlungen befinden. Im Herbst, häufig ab September oder Oktober, zieht sich die Schlange in die Winterruhe zurück. Erst im Frühjahr, meist gegen Ende April oder im Mai, wird sie wieder aktiv. Während der wärmeren Jahreszeit ernährt sie sich vor allem von Mäusen, gelegentlich auch von Vögeln oder Eidechsen.
Zu ihren natürlichen Feinden zählen unter anderem Wildschweine, Marder und Greifvögel. Die größte Gefahr geht jedoch vom Menschen aus: Die Zerstörung geeigneter Lebensräume, der Straßenverkehr sowie das Töten aus Angst oder Unwissenheit können die Bestände gefährden. Dabei ist die Äskulapnatter in Deutschland streng geschützt. Sie darf grundsätzlich weder gefangen noch verletzt oder getötet werden. Auch ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten stehen unter gesetzlichem Schutz.
Auch der Name der Äskulapnatter hat eine besondere Bedeutung. Er geht auf Asklepios zurück, den Gott der Heilkunst in der griechischen Mythologie, den die Römer Aesculapius nannten. Bekannt ist die Schlange vielen Menschen durch den Äskulapstab, der bis heute als Symbol der Medizin und des ärztlichen Berufsstands dient.
Für den Umgang mit einer gesichteten Äskulapnatter rät Johannes Köhler vor allem zu Ruhe und Abstand. „Die Äskulapnatter ist für Menschen ungefährlich. Sie besitzt kein Gift und ist nicht aggressiv. Wer eine solche Schlange entdeckt, sollte deshalb keine Angst haben und vor allem Ruhe bewahren“, betont der Reptilienexperte. Das Tier sollte weder berührt noch eingefangen oder in die Enge getrieben werden. Am besten beobachtet man es aus sicherer Entfernung und lässt ihm ausreichend Raum, um sich ungestört fortzubewegen.
„Die Natter lebt hier, die Umgebung ist ihr Zuhause“, gibt Köhler zu bedenken. Bestehen Unsicherheiten, etwa weil die Schlange verletzt ist oder sich an einem problematischen Ort befindet, sollte man nicht selbst eingreifen, sondern die Polizei oder Feuerwehr verständigen. In allen anderen Fällen gilt: Wer Abstand hält und das Tier in Ruhe lässt, ermöglicht ein unkompliziertes Zusammenleben von Mensch und Äskulapnatter.




