Halbzeit der Ausstellung in der Bücherei: 100 Jahre Frauenwahlrecht

Mit den Bischofsheimer Frauen ist Staat zu machen, das zeigt die Ausstellung in der Bücherei. Rechts die Autorinnen Elke Möller, Renate Bleith und Trudi Hartung, links die Vorsitzende der Gemeindevertretung, Sabine Bächle-Scholz, und Bürgermeister Ingo Kalweit.

Noch bis zum 29. Mai ist die Ausstellung „100 Jahre Frauenwahlrecht“ in der Bischofsheimer Bücherei zu sehen. Keine trockene Kost, sondern pralles Leben vermitteln die Bildtafeln, die sich mit politisch und sozial besonders engagierten Frauen im Kreis Groß-Gerau beschäftigen. Deshalb hat der Kreis, der die Wanderausstellung konzipierte, den hessisch eingefärbten Titel „Mir koche vor Wut“ gewählt. Für Bischofsheim wurde Elke Möller, ehemals Frauenbeauftragte der Stadt Rüsselsheim, gebeten die Recherche zu übernehmen. Sie holte sich die Galb-Vertreterin Renate Bleith und die Bischofsheim-Kennerin Trudi Hartung an die Seite, die sich auch besonders um die Beschaffung von historischem Bildmaterial kümmerte. Rund drei Monate recherchierten die drei Frauen in ihrer Heimatgemeinde. Eine sehr große Hilfe war, dass Katja Press das lokale Zeitungsarchiv ihres verstorbenen Vaters, Dieter Press, für die Recherche öffnete. 

„Wir hatten uns schon darauf beschränkt, dass wir im Bereich Politik nur jeweils die Frauen nennen, die als erste ein wichtige Funktion inne hatten“, erklärt Möller. Dazu gehört Maria Eiswirth, die 1952 das erste weibliche Mitglied im Gemeinderat von Bischofsheim war. Erika Weiler wurde 1964 als erste Frau in die Gemeindevertretung der Eisenbahnergemeinde gewählt. Im Jahr 2011 war es soweit: Mit Ulrike Steinbach zog die erste Bürgermeisterin ins Rathaus ein. Seit 2016 ist Kreis- und Landtagsabgeordnete Sabine Bächle-Scholz die erste Vorsitzende der Gemeindevertretung Bischofsheim.

Frauen im Widerstand gegen den Faschismus gab es mit Elisabeth Wacker und Maria Graf ebenfalls in Bischofsheim. Eine sozial und medizinisch sehr engagierte Frau war Emmy Hofmann. Die Hebamme kam 1952 nach Bischofsheim und unterhielt in der Darmstädter Straße ein Entbindungsheim mit Wöchnerinnenstation. „Ich und mein Mann kamen mit ihrer Hilfe auf die Welt“, staunte Trudi Hartung bei der Recherche. Leni Horst, so offenbarte das Gespräch mit Katja Press, war ebenfalls eine ganz besondere Frau. Sie gründete 1930 zusammen mit Ehemann Adam die Druckerei Horst und die „Bischofsheimer Zeitung“ – aus der später der „Lokal-Anzeiger“ hervorging. In schwierigen Zeiten hielt sie alleine den Betrieb aufrecht, bis das Blatt 1941 von den Nationalsozialisten verboten wurde.

„Es ist typisch für Frauen, dass sie ganze Arbeit leisten, aber im Hintergrund bleiben. Oft arbeiten sie den Männern zu und sind die Strippenzieherinnen“, hat Bleith bei der Beschäftigung mit der Materie bis in die Jetztzeit festgestellt. „Wir haben viele Mosaiksteinchen zusammengetragen“, sieht Möller die Liste der einsatzstarken Frauen als durchaus ausbaufähig an. Mit der Ausstellung, die sichtbar mache, dass in Bischofsheim mutige und politisch engagierte Frauen zu finden sind, sei ein Anfang gemacht.

„Mir koche vor Wut – Engagierte Frauen als Erfolgsrezept für die Politik im Kreis Groß-Gerau“ist noch bis zum 29. Mai in der Bücherei Bischofsheim, Schulstraße 32, zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags von 15 bis 18 Uhr, mittwochs von 10 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr, donnerstags von 15 bis 19 Uhr, freitags 15 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 13 Uhr. Der Eintritt ist frei.