Bischofsheimer Besonderheit: der Anlehnbügel

So geht es richtig: Gemeindevertreterin Brigitte Raab demonstriert den Gebrauch des Anlehnbügels, der nicht zum Sitzen gemacht und gedacht ist.

Rätselraten, um sieben Objekte im öffentlichen Raum. Ein geschwungener Metallbügel mit Holzauflage beschäftigt seit Wochen die Bischofsheimer Bevölkerung. Drei dieser Bügel stehen an der Darmstädter Straße. Am Friedrich-Ebert-Platz und anderen belebten Orten sind diese Objekt ebenfalls zu bewundern. 

Jetzt klärt Gemeindevertreterin Brigitte Raab auf: Keine Kunst und auch kein Kinderturngerät seien diese besonderen Bügel. Sie habe etwas für die ältere Generation machen wollen. Der Sinn sei, dass betagte Mitbürger beim Gang in die Ortsmitte ein Päuschen machen können: Anlehen, die Tasche über die Bügelrundung streifen und ausspannen, das demonstriert sie höchstpersönlich am Objekt neben der Georg-Mangold-Schule an der Darmstädter Straße. Besonders gehbehinderten Personen möchte sie mit dem Anlehnbügel etwas Gutes tun. Um Gemütlichkeit gehe es dabei nicht, betont sie. „Der Bügel ist für Einzelpersonen, die dort nicht Kaffee trinken, sondern nur verschnaufen sollen“, sagt die 69-Jährige. Zunächst sei es um das Aufstellen von Bänke gegangen. Diese seien aber oft zu niedrig, was das Aufstehen beschwerlich mache. Weiterer Nachteil: Der Platzbedarf von Sitzbänken ist zu groß, um sie zum Beispiel direkt an einer Fußgängerampel zu installieren. Mit der Seniorenbeauftragten der Gemeinde Bischofsheim, Monika Spieles, habe sie sich zuvor beraten und mit ihr auch die Standorte erarbeitet, erzählt Raab.

Der Ursprung der Anlehnbügel-Aufstellungs-Aktion: Die Gemeindevertretung stimmte im Mai 2014 dem Programmpunkt „Besitzbare Gemeinde Bischofsheim“, im Rahmen einer städtebaulichen Maßnahme, zu. Um die Kommune finanziell nicht zu belasten, sollten Sponsoren gesucht und auf diese Weise Bischofsheim mehr Bänke beschert werden. Mit Begeisterung spendete Brigitte Raab zunächst zwei Sitzbänke. Dann wurde sie auf die Anlehnbügel aufmerksam. Sie stellte dafür ihr Sitzungsgeld zur Verfügung, das sie als Gemeindevertreterin erhält. Zusätzlich legte sie persönlich noch etwas drauf, um ihre Idee zu verwirklichen.

„Jede Kritik, ob gut oder böse, schafft Aufmerksamkeit für die Anlehnhilfe“, lacht Raab. Sie weist allerdings darauf hin, dass sich der Bügel mit der schmalen Holzauflage nicht als Sitzmöglichkeit eignet, weil dann Sturzgefahr droht. „Ich möchte gerne weitere Lehnhilfen aufstellen und suche Spender“, hofft sie jetzt auf Unterstützung durch die Bischofsheimer Bevölkerung. Unter der Telefonnummer 06144-41930 können Interessierte Kontakt mit Brigitte Raab aufnehmen.